Black seconds – wie alles begann…

Wie allabendlich sitze ich auf meinem Bett, zelebriere den verstrichenen Tag und denke an vergangene Stunden. Ich nutze meine Abende vor allem, um über MICH nachzudenken.
Heute ist es an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken und über die wohl schmerzlichste Erfahrung meines bisherigen Lebens zu schreiben; meiner Depression – wie alles begann.
Ich bin ein Mensch, der es bevorzugt sich mit den Sonnenseiten des Lebens zu befassen und einengende, negative Dinge zu verdrängen.
Genau so, auf diese Art und Weise, habe ich es geschafft mindestens ein Drittel diesen Jahres zu verdrängen.

Nun sitze ich hier. Nachdenkend. Stolz, als Sieger- und Kämpferin aus der Depression hervor zu gehen. Betrübt, weil diese Erfahrung tiefe, schmerzhafte Spuren hinterließ.

… Meine Geschichte beginnt mit dem Fest der Liebe. Meinem Fest; Weihnachten 2011!
Seit Wochen freute ich mich auf diesen einen, winzigen Moment; Absolute Ruhe und Seligkeit in Familie! Mir blieben gerade einmal 7 Tage um wertvolle Stunden zu nutzen und den bereits viel zu leeren Energietank aufzufrischen. (Ich war daran gewöhnt mit einem Minimum an Urlaub auszukommen, denn ich hatte seit meiner Laufbahn in Hamburg, nie mehr als 7Tage am Stück!)
Meine seit Wochen herbei gewünschten Tage in Ruhe waren also schnell verstrichen und ich musste, ob ich wollte oder nicht, völlig müde wieder den Rückweg antreten! – Obwohl ich gerade einmal ein Minimum dessen geschafft hatte, was mir lieb und kostbar war!

Allein, fernab von Familie und wärmender Menschlichkeit, zurück in Hamburg angekommen, verfiel ich blitzschnell wieder dem Alltag; ohne Hoffnung auf ein Break in ferner Zukunft!
Die Beine schwer, das Lächeln transparent, ließen den Kämpfergeist in mir dennoch nicht schwinden… .
Der Gedanke, dass mich mein Partner bald besuche und mich dem Alltag entriss, stimmte mich milde.
Wir verbrachten ein wundervolles Wochenende, an der kalten, verregneten nordischen Luft! Ich war bester Laune, mein Lachen noch nichtsahnend 100 %ig … .

Es folgte der Sonntag, der mein Leben verändern sollte. Sonntag, der 8. Januar 2012.

Ich kann mich lediglich daran entsinnen, dass Georg und ich ein Tag in Ruhe und Zweisamkeit verbrachten und weit durch das flache Hamburger Umland spazierten.
Auf dem Rückweg wurde ich bereits sehr still und nachdenklich; ich fühlte mich nicht, bekam erste Angstzustände, wollte schnellst möglich ‘nach Hause’… .
Daheim angekommen, hoffte ich auf eine Besserung meiner mittlerweile mächtigen Emotionen. Meine Augen wurden nass, Tränen kullerten, ich hörte nicht auf zu weinen.
Wie aus dem Nichts überkam es mich! Nachdem mich mein Freund Stunden fest umarmte, schaffte ich es mich aufzuraffen und neuen Mut zu erlangen.

Montag. Wochenstart. Währenddessen ich schweren Herzens, tränenreich, die neue Woche antreten musste, wälzte sich ‘meine Anhang’ weiterhin in meinem Bett!
Auf Arbeit angekommen versuchte ich mich in Arbeit zu stürzen, um düsteren Gedanken zu entkommen! Leider ohne Erfolg. Erneut flossen Tränen – ohne Grund! Aus Pein zog ich mich auf der Damentoilette zurück. Weinend, zusammengekauert, bat ich in der 380 Kilometer – entfernten Heimat, bei meiner Mom um Hilfe! Nach einem ausführlichen Telefonat konnte ich mich stolze 2 Tage zusammenreißen!

Dienstag Abend holte mich Georg schließlich von der Arbeit ab. Wir wollten uns einen sorgenfreien Feierabend gestalten und stressige vergangene Stunden hinter uns lassen! Doch ich freute mich nicht auf den einst so heiß geliebten Feierabend! Ich hatte Angst. Angst, vor zu viel Zeit ins Grübeln zu kommen.
Angekommen am kalten Dammtor’ Bahnhof, eng umschlungen, umgeben von Menschenmassen, warteten wir auf die viel zu volle S-Bahn. Inmitten der Bahn fing ich erneut zu weinen an… . Ich fühlte nichts als Leere. Völlig leblos, kaputt und müde stand ich da! Fremde Gesichter starrten mich fragend an… Ab diesem Zeitpunk wusste ich, dass etwas in meinem Leben gehörig schief lief.

Am Mittwoch beschloss ich schließlich zu Hause zu bleiben, weil es einfach nicht mehr auszuhalten war. Ich hatte ein Vielzahl mir bedeutender Menschen um mich herum, doch es half 0 !
Völlig blass, geschwächt, brach ich heulend auf dem Tisch meines Hausarztes zusammen, der mich dann aufgrund von ‘Migräne und Überarbeitung‘ 1,5 Wochen krank schrieb! Mir war es äußerst unangenehm, dies in der Firma zu berichten. Nie zu vor war ich so lang krank!

Im Prinzip wusste ich bereits, dass ich unter Depressionen litt. Doch hätte ich nicht damit gerechnet, dass mir das völlige Ausmaß noch bevorstand.
Mein Freund, der stärker und positiver nicht hätte reagieren können, versuchte mich permanent mental aufzubauen und mir gut zuzureden! (DANKE, an dieser Stelle, für die unbegreifliche Menschlichkeit)
Doch trotz zahlreicher positiver Zuwendungen war auch nach einer Woche noch keinerlei Besserung in Sicht! Schließlich beschloss ich, an den Ort zu fahren, an dem ich mich mehr als heimisch, geborgen und sicher fühlte. An den Ort, den ich mir am meisten herbei sehnte. Mein Ruhepool, meine Heimat.
Da Georg -verständlicherweise- sein eigenes Leben erst einmal wieder zu ordnen hatte, fuhr er zurück nach Berlin, ich -allein- nach Thüringen!
Noch heute sehe ich diese Fahrt, als einen reinen Höllentrip. 6 Stunden Horror und ein Meer aus Tränen.
Ich hatte keine Ahnung, wie ich die nächsten Stunden allein überstehen sollte!? Völlig verändert, völlig kalt, mich nicht mehr wieder erkennend, stand ich, wie besessen, an den Gleisen und überlegte aller Ernstes zu springen… .
Alles um mich lachte und lebte – bis auf meine Wenigkeit! Ich fühlte nichts, außer Sinnlosigkeit und Trauer! Ich wollte weg, weit weg! Am besten fernab von diesen ellenbogen-denkenden Planeten!
Aus einem mehr als energie-geladenem Menschen, wurde von 0 auf 100 (wohl eher von 100 auf 0) eine kalte, leblose Erscheinung… 4 Monate lang!

In der Heimat angekommen, weinte ich wie ein kleiner Säugling an Mamas Brust.
Meine liebe Frau Mama war ein Glück so schlau und besorgte mir sofort eine freie Stelle bei einer Psychologin ganz in der Nähe! (Die Wartezeiten in Großstätten können Jahre betragen)
Ich erhoffte mir von diesem Termin mein altes Leben zurück zu gewinnen.
Mittlerweile war ich sogar bereit mir Psychopharmaka verschreiben zu lassen.
Um mich ruhig zu stellen, trat dies auch in Kraft!

Dieses Horror – Schauspiel zog sich dann Wochen, Monate hin. Mein Highlight, in dieser Zeit, war es mich in Träume zu flüchten, tief zu (ver)schlafen… .
Nach 7 Wochen startete ich einen zweiten Versuch in Hamburg, in Begleitung meiner Mom.
Am dritten Tag brach meine kleine Welt erneut zusammen: Ein herzensguter Kollege fuhr mich daraufhin sicher nach Hause… .

Danach entschloss ich -eigenhändig- in die Klinik zu gehen… .

Das Schmerzhafteste an meiner kleinen Geschichte bleibt für mich, dass ich mir liebe und vertraute Menschen ungewollt sehr verletzt habe. Es rührt mich noch heute zu Tränen, in welchem Ausmaß meine Familie mit mir litt: In das blasse Gesicht meines starken, großen Bruders zu schauen, die Tränen meiner Mom zu trocknen, die kalte Hand meines Vaters zu halten, die unfassbare Wärme meiner Großeltern, das Tagelange Zureden meiner gesamten Family, meines Freundes… .

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne ihre Unterstützung noch wäre… .

Mein unfassbar großer Dank, meiner Familie, Freunden und Georg gegenüber , ist nicht ansatzweise in Worte zu fassen!
Ich werde nie zurück geben können, was sie mir einst gaben, aber ich will zumindest schriftlich festhalten, wie bedeutend mir diese Menschen sind. DANKE.

… Erst heute, nach dem erfolgreichen Sieg meiner Depression, lässt sich sagen, dass diese Erfahrung meines Lebens, die wohl wichtigste war!
Ich wurde gezwungen mein Leben rasch zu ändern – Es ist nichts, wie zuvor!

Ich habe eine Vielzahl an Emotionen verloren, dafür umso mehr Emotionen und Werte dazu gewonnen.

 

Ich wünsche mir für alle Betroffenen und vertrauten Pfaffis, von ganzen Herzen, ein Leben in Zufriedenheit!
Mein Appell an euch lautet: Kämpft – und ihr gewinnt!

 Every story must go on.

 

Lovely hugs from Blindmary and ‘Team-Pfaffi’. .

PS. ES SEI AN UNSER PFAFFI-DATE, AM SA DEM 11.8 IN ERFURT ZU DENKEN! VERGESST MIT UNS DEN ALLTAG UND VERGÄNGLICHE SORGEN!

 

One Response to Black seconds – wie alles begann…

  1. admin says:

    So viel durchgemacht und keine Angst die Erfahrungen mit uns zu teilen. Stark! Klasse Artikel! Zu Tränen gerührt, sehr aufschlussreich, informativ und hilfreich! Du bist ein echter Burnout Held!

    Wir sagen DANKE blindmary!

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