Patentrezept Depression – Hainich Klinikum

Im kalten Monat Februar, nach einem gänzlich gescheiterten Versuch, mich der Arbeit nach 6 Wochen Abstinenz, wieder zu unterwerfen, entschied ich mich auf freiwilliger Basis eine Klinik aufzusuchen.
Kraftlos und leer suchte ich die Hilfe meiner Therapeutin, die mir daraufhin eine Woche später einen Platz im Hainich Klinikum zusicherte.

Einerseits sträubte ich mich vehement gegen den Gedanken auf die Hilfe einer Klinik angewiesen zu sein, andererseits konnte ich es kaum erwarten und setzte all meine Hoffnung, in eine Verbesserung meines Zustandes, in diese 4 weiße Wände ! Am Dienstag, dem 6. März 2012 war es dann soweit! Mein Freund fuhr mich morgens, mit Sack und Pack, in die 40 Kilometer entfernte Kleinstadt.
Angekommen, stand ich gefühlte Stunden weinend, in den schützenden Armen meines Freundes, vor der wunderschönen Villa… Wie konnte es passieren, dass ausgerechnet ich in ein solch tiefes Loch rutschte? Mein Geschichte erschien mir zu diesem Zeitpunkt hoffnungslos, doch gab ich nicht auf… .
Gegen Mittag verabschiedete sich schließlich mein Freund,- und somit auch meine letze Kraftreserve. Angelangt in meinem Zimmer und meinem Zuhause für die kommenden 6 Wochen, bepackte ich meinen ‘neuen’ Kleiderschrank und bezog mein Bett… . Mein Behagen war alles andere als wohlig. Ich hatte nur einen Gedanke; ‘so schnell wie möglich weg’!Das Personal und auch die zahlreichen anderen Patienten erschienen mir sehr freundlich, doch wollte ich nichts als meine Ruhe – Mir war alles andere als nach Kommunikation zu Mute.
Geschafft von den erdrückenden Emotionen und bald platzendem Kopf, legte ich mich -noch vor der Bettruhe 22Uhr- schlafen. Erfolglos.
… Die ersten Nächte verbrachte ich damit gegen eine schwarze Wand zu starren, mich 1000 mal zu drehen und den Geräuschen meiner 2 Zimmer-Gefährtinnen zu lauschen. Ich könnte schwören wirklich 0 geschlafen zu haben.
Zu allem Überfluss hieß es morgens 6 Uhr aufstehen. (Was im Nachhinein das wohl schlimmste meines ‘kleinen Ausfluges’ war) ;)
Nach ca. 3 Tagen, 1000 verstrichenen Tränen, 2 Kopfschmerztabletten und einer nicht wirkenden Schlafpille freundete ich mit dem Gedanken >dort folgende Wochen zu verharren< an. Langsam aber sicher überkam mich auch wieder die Lust kommunikativ zu werden – was mir in der Regel auch ähnlich sieht.
Von heute auf morgen änderte sich meine abwertende Haltung und ich beschloss mich dem ganzen ‘Spiel’ anzunehmen und mir helfen zu lassen.
Ab diesem Moment wurde der Klinikaufenthalt zu einem Erfolg und einer unvergesslichen Zeit.

Zu Anfang empfand ich viele der einzelnen Therapien als albern, doch ließ ich mich dennoch voll und ganz darauf ein – Was blieb mir auch anderes übrig?
Von Tag zu Tag freundete ich mich immer mehr mit den lieben Seelen der Klinik-Gemeinschaf an. Schon bald empfand ich unsere ‘WG’ als sehr familiär und wärmend.
Vieler meiner ‘Mitbewohner’ und ‘Problemkinder’ überzeugten durch ihre zweifelose Menschlichkeit, Wärme und riesigem Herz. Ich traf auf Menschen, dessen Werte human waren …vielleicht war genau d a s der Grund für ihr/mein Scheitern. Wir hatten eine ganze Menge Spaß (kaum zu glauben, aber wahr!) und ich erhielt endlich mein lang ersehntes, beinah erstarrtes, Lächeln zurück.
Um mein Glück aufrecht zu erhalten, trieb ich jeden Tag Sport; ich ‘joggte mir meine Welt schön’ und ließ am Boxsack angestauten Aggressionen freien Lauf. Parallel fand ich endlich wieder die Zeit meine Gedanken zu Papier zu bringen – ob mit Füller, oder mit Pastellkreide.

Ich malte, lauschte Musik, tanzte, lachte, spazierte, erfüllte meinen ausgeprägten Bewegungsdrang, ernährte mich gesund,… ich hatte endlich Zeit, mich auf Dinge zu konzentrieren, die mir am Herzen lagen/liegen, die MIR gut tun. Dinge, die in meinem vergangen Alltag kaum Platz fanden.

 

Ich ging einst in die Klinik, aus Erwartung, dass sie mich wieder zum Leben erweckt.
… Im Nachhinein weiß ich, dass es nicht der Klinik, sondern ganz allein mir zuzuschreiben ist. Es war & ist m e i n e Willensstärke, wieder zufrieden und glücklich dieses eine Leben führen zu wollen. Ich wollte leben, ich wollte wieder lachen, ich wollte genau die lebensfrohe Frau zurück, die ich einst war! Ich habe gekämpft – und gesiegt.
Nun -nach einem halben Jahr- tue ich wieder das, was mein persönliches Lebenselixier darstellet; Lachen.

… Jeder, der diese schmerzhafte Erfahrung teilt, sei mit auf dem Weg zu gegeben, dass alles Gewollte machtbar ist! Erwartet von niemanden euch zu heilen, sondern erwartet viel mehr VON EUCH die Bereitschaft euch helfen zu lassen + euch selbst heilen zu w o l l e n ! Keine Klinik dieser Welt lässt deine Sorgen vergessen, wenn es nicht dein eigenes Bestreben ist! Der einzig wahre Therapeut steckt in jedem von uns selbst.
Wir alle sind Individuen und keine unserer Erfahrungen ist übertragbar!
Liebt das Leben und das Leben liebt euch!

 

Ich sehe meine Depression nicht als Krankheit, sondern als ‘Botschaft’ gegen meine Prinzipien gelebt zu haben und in meinem Leben etwas ändern zu müssen !

 

 

Bestärkende Umarmungen vom Pfaffiteam + Blindmary. .

 

 

3 Responses to Patentrezept Depression – Hainich Klinikum

  1. Angelus says:

    Hallo Lieblings-Lisa,

    wie immer hast Du sehr schön geschrieben!! Und ich stimme mit Dir überein, dass ein das KH nicht heilen kann, sondern nur Wege zeigen kann…Den Rest muss man wollen und auch wirklich mitarbeiten ;)

    LG Angelus

  2. Lotte says:

    Wer ist Lisa? ;)

    :*

  3. Angelus says:

    Hallo Lotti,

    upssa, da ist mir wohl ein Schreibfehler passiert ;)

    LG Angelus

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